Weil ich sehen wollte, wie er spielt, habe ich vorgestern kurz in Raonics Match gegen Lu reingeschaut. Simon Greul war unter den Zuschauern. Anscheinend hat er gesehen, wo er ansetzen muss.
Raonic schlägt beeindruckend gut auf und rückt dann, wenn es nur irgendwie geht, vor. Bei den Australian Open haben ihm die schnelleren Bedingungen am Tag sicher geholfen und in Johannisburg ist es durch die Höhenlage besonders schnell. Sein nächstes Turnier ist in San Jose, wo man ihm eine Wildcard gegeben hat.
Fast noch beeindruckender fand ich ihn in Interviews. Obwohl erst knapp 20 Jahre alt, merkt man ihm nicht an, dass alles neu für ihn sein muss. Dazu wirkt er unglaublich erwachsen.
Das Turnier in Johannisburg spielt an einem Ort, der sich Montecasino nennt. Im ersten Moment hätte man es tatsächlich für Italien halten können.
Gulbis hat im Ranking immer noch keinen jüngeren Spieler vor sich stehen. Wenn das so bleiben soll, muss er unbedingt mal wieder ein paar Runden überstehen.
Thiemo de Bakker ist wahrlich kein einfacher Erstrundengegner. Der junge Holländer hat bei den Australian Open fast Monfils geschlagen. Trotzdem ist er noch fehleranfälliger als Gulbis.
De Bakker hätte bei mir vielleicht mehr Sympathien, wenn er sich auf dem Platz nicht immer wie Rumpelstilzchen aufführen würde. Wer holländische Fussballfans kennt, kann sich ungefähr vorstellen, was Gulbis in diesem Match gegen einen Holländer zu erwarten hat.
Aber es hätte schlimmer kommen können.
Ich traue Baghdatis gegen Murray durchaus die Sensation zu. Das Selbstbewusstsein des Schotten muss nach dem Debakel im Finale der Australian Open gelitten haben.
Thiemo De Bakker def. Philipp Petzschner 6-4, 0-6, 6-1.
Es war kein gutes Match und ich habe nur sehr kurz zugeschaut. Ich muss bei den holländischen Zuschauern Abitte leisten. Sie haben sich normal verhalten und auch De Bakker war sehr ruhg. Ganz anders als ich ihn in Erinnerung hatte.
Es gab auch keinen Grund für ihn oder das Publikum enthusiatisch zu werden, zu mangelhaft war sein Spiel. Wenn sein voraussichtlicher Gegner Youzhny nur ansatzweise normal spielt, ist er draussen.
Hier macht Milos Raonic vor, wie man seinen Namen richtig ausspricht: Raun-itsch.
Diesen Namen wird man sich eh merken müssen. Der junge Kanadier dürfte der Spieler sein, der in diesem Jahr die meisten Matches gewonnen hat.
Er hat in San Jose zuerst den unberechenbaren Veteranen Xavier Malisse und danach den früheren US-Star James Blake, der inzwischen mehr Golf als Tennis spielten dürfte, gnadenlos eliminiert.
Aber auch den gleichaltrigen Litauer Richard Berankis, konnte er mit seinen gewaltigen Aufschlägen und seiner kompromisslosen Angriffslust einschüchtern.
Allerdings fiel das Halbfinale gegen Gael Monfils aus. Der Franzose hat eine Handgelenksverletzung, die ihn wohl länger ausser Gefecht setzt.
Lustigerweise wurde Raonic in Memphis, wo man ihm gleichfalls eine Wildcard gegeben hat, sein heutiger Finalgegner Fernando Verdasco für die erste Runde zugelost.
Verdaso ist Titelverteidiger in San Jose. Er setzte sich gestern im Halbfinale glatt in zwei Sätzen gegen Juan Martin Del Potro durch.
Dass Verdasco das Finale erreicht hat, überrascht ein wenig. Seit den US Open lief es nicht mehr für ihn und in Australien schien der sonst so austrainierte und nicht uneitle Spanier, etwas an Gewicht zugelegt zu haben. Aber noch schlimmer. Er soll an einer Fussverletzung laborieren.
Milos Raonic def. Fernando Verdasco 7-6(6), 7-6(5).
Fast aus dem Nichts, hat man in Kanada nach 16 Jahren wieder einen Champion im Tennis. Der letzte müsste Greg Rusedski gewesen sein, der danach zu den Briten übergelaufen ist, die Staatsbürgerschaft gewechselt hat.
Mit gerade mal 20 Jahren gewinnt Milos Raonic seinen ersten ATP-Titel, dazu gegen einen Top-10-Spieler.
Ich habe nicht damit gerechnet, dass Raonic nach seinem Lauf in Melbourne und dem anschliessenden Turnier in Johannisburg noch die Energie haben würde, in San Jose weit zu kommen.
Im ersten Satz hatte Verdasco sogar 4 Satzbälle. Am Mittwoch in Memphis hat er gleich wieder das Vergügen gegen den Kanadier zu spielen.
Raonic kann doch nicht zweimal hintereinander Verdasco schlagen oder doch?
Philipp Petzschner def. Ernests Gulbis 7-6 (2), 6-1.
Vor einer Woche in Rotterdam wegen Fieber abgesagt und insgesamt vier Wochen kein Match gespielt. Gulbis hätte wohl Glück gebraucht, um Philipp Petzschner zu schlagen. Der Deutsche hat immerhin zusammen mit Melzer das Doppel in Rotterdam gewonnen.
Was mich immer wieder erstaunt sind die Wettanbieter. Man hätte mit einer Wette auf Petzschner richtig viel Geld verdienen können. Ich glaube, es gab um die zweieinhalb Euro für ihn, als ich heute Vormittag bei Betfair nachschaute.
Wie lange wird Gulbis wieder trainiert haben? Man muss 100 % fit sein im Tennis. Jeder Tag ohne Training bringt einen Spieler in Rückstand. Vom Kraftverlust durch Krankheit gar nicht zu reden.
Das nächste Turnier für Ernests ist in Dubai. Er hat jetzt etwas Zeit sich wieder besser in Form zu bringen.
Es ist ja nicht so, dass Cilic zur Zeit in Bestform ist. Nach Zagreb und Rotterdam ist es schon das dritte Turnier für den Kroaten nach den Australien Open.
Das Turnier in Marseille ist aber trotzdem viel zu stark besetzt für so ein kleines 250er. Warum lassen sie nicht einfach die Franzosen das unter sich ausmachen?
Was hat Söderling davon dort zu spielen? Warum sagt Berdych nicht einfach ab und ruht sich aus? Schliesslich konnte er in Rotterdam wegen einer Erkältung das Halbfinale nicht bestreiten.
Steve Tignor wunderte sich sogar, warum so viele Top-Spieler gleich nach den Australian Open schon wieder in Rotterdam antreten. Aber Rotterdam ist immerhin ein 500er-Turnier. Davon müssen sie vier spielen.
Milos Raonic def. Fernando Verdasco 6-4, 3-6, 7-6(5).
Anders als letzte Woche in Rotterdam, es traten dort fünf Top-10-Spieler an, ist das Feld in Memphis für ein 500er-Turnier schwach durchsetzt.
Zu dumm, dass sich die attraktivsten Spieler schon in der ersten Runde gegenseitig eliminieren mussten.
Für Raonic ist der Weg jetzt relativ frei bis zum Finale. Aber vielleicht weiss der alte Fuchs Radek Stepanek ja ein Rezept gegen die neue Aufschlagmaschine der ATP-Tour.
Als ich das Video vor ein paar Monaten das erste Mal sah, hätte ich nicht gedacht, dass die French Open in der Stadt bleiben. Aber da es jetzt tatsächlich so verwirklicht wird, kann ich es ruhig zeigen.
Der Linkshänder Berrer war immerhin Viertelfinalist in Dubai letztes Jahr. Wahrscheinlich gab man ihm deshalb eine Wildcard. Darüber hinaus war es extrem windig. Man musste vor dem Match den Sand vom Court fegen.
Im Interview auf dem Court nach dem Match, wurde Ernests gefragt, ob er bei der Players Party morgen vielleicht auf einem Kamel reiten wird. "I don't do parties." War seine Antwort mit einem Lächeln.
Andy Roddick def. Milos Raonic 7-6(7), 6-7(11), 7-5.
Die alte Weltordnung ist wiederhergestellt. Zumindest bis auf weiteres.
Es hätte auch anders ausgehen können. Roddick hatte sich bei seinem Match gegen Del Potro einen Nerv am Nacken eingeklemmt und die Nacht im Umkleideraum verbracht und nach eigener Aussage nur zweieinhalb Stunden geschlafen.
Auch wenn Raonic bei seinem fortgesetzten Lauf wieder fast nur alte Spieler auf Austrag zum Teil lädierte, zum Teil nicht mehr auf der Höhe ihres Spiels stehende Veteranen geschlagen hat, ist unübersehsehbar, dass man in Zukunft mit ihm wird rechnen müssen. Stepanek, Kendrick und Fish konnten ihm trotzdem, wie auch Verdasco, jeweils einen Satz abnehmen.
Anstatt sich endlich eine Pause zu gönnen, will Milos sofort das nächste Turnier in Acapulco spielen. Man hat ihn dort jetzt auch ins Hauptfeld gelassen. Anscheinend geht es ihm darum, sich an Sandplatz zu gewöhnen, denn die Kanadier spielen gegen die Mexikaner das Wochenende darauf im Davis Cup.
Update:
Raonic hat das Turnier in Acapulco schliesslich doch abgesagt, aber nicht ohne dorthin geflogen zu sein.
Sergiy Stakhovsky def. Ernests Gulbis 6-3, 5-7, 6-1.
Das Match wurde nicht auf dem Centre Court ausgetragen. Unverständlich, warum man einen gesetzten Spieler auf einen Nebenplatz verbannt, während die ungesetzten Gasquet und Bubka jun. auf dem Hauptplatz spielen durften.
Es gab also kein Hawk Eye, was immer schlecht ist. Erst recht, wenn es so windig ist, wie zur Zeit in Dubai.
Gulbis hat nach der Statistik zu urteilen, nicht gut aufgeschlagen. 7 Asse stehen unglaubliche 9 Doppelfehler gegenüber. Immerhin hat er den zweiten Satz gewonnen, obwohl er Break zurücklag.
Im Interview am Ende des Videos schien er doch recht zuversichtlich zu sein.
Gegen Berrer hat er noch gut ausgeschaut, aber auch in diesem Match gab es knifflige Situationen, aus denen er sich aber rausarbeiten konnte.
Stakhovsky hatte bisher noch nicht gegen Gulbis gewonnen. Gegen Tsonga in Marseille hat er, obwohl er der bessere Spieler war verloren. Er hatte mit Satz und Break geführt. Heute hat er es, auch mit Hilfe seines unsicheren Gegners, durchgezogen.
Gulbis kann jetzt, wie er es geplant hat, für ein paar Tage nach Hause nach Lettland, bevor es in die USA geht.
Der Argentinier hatte mit grossen Konditionsproblemen zu kämpfen. Vielleicht hätte er es gar nicht ins Finale geschafft, wenn er nicht immer das Privileg gehabt hätte am kühlen Abend zu spielen.
Del Potro ist der Topspieler mit der grössten Bescheidenheit. Eine Eigenschaft, die seltsamerweise immer Nadal zugeschrieben wird. Er hat auch keinen wahrnehmbaren Fanatismus, ohne den es eigentlich nicht geht. Ja, er scheint es nicht einmal zu geniessen.
Roger Federer nach dem verlorenen Finale von Dubai.
Etwas überraschend diese glatte Niederlage, denn Federer spielte grossartig im Halbinfinale gegen Gasquet, während Djokovic sein Match gegen Berdych als catastrophe bezeichnete.
Gewonnen hat er es nur, weil der Tscheche verletzt aufgeben musste.