Noch vor fünf oder sechs Jahren war Snooker für mich nur der Sport, der Tennis im Weg war. Anstatt meine Matches zu zeigen, entschied sich Eurosport immer mehr dafür
diesen Kneipensport Snooker zu übertragen.
Natürlich wurde mir schnell klar, dass Snooker einer der anspruchsvollsten Sportarten überhaupt ist. Vergleichbar nur mit Eiskunstlaufen und Tennis. Wer selber schon einmal an einem Billardtisch versucht hat, eine Kugel zu versenken, weiss, wovon ich rede. Eine halbe Stunde kann einen mehr verausgaben, als zwei Stunden Tennis, so irrsinnig muss man sich konzentrieren.
Wenn man Snooker sagt, meint man auch immer Ronnie O'Sullivan. Seine Autobiografie, die wie alle mir bekannten Sportlerbiografien mit einem Co-Autoren verfasst wurde, liest sich unglaublich packend. Der menschenscheue, aber deshalb nicht weniger charismatische O'Sullivan erzählt von seinem Aufwachsen in einer aus Italien stammenden Familie in London, die ihr Geld mit Pornoläden machte.
Während die Eltern hart arbeiteten, vertiefte er sich in das Snookerspiel. Seine Unsicherheit kompensierte er mit Erfolgen im Sport. Ängste und Depressionen liessen ihn drogenabhängig werden. Erst eine Entziehungskur rettete ihn vor der Selbstzerstörung. Als ob das nicht genug wäre, kam auch noch sein Vater wegen Totschlags ins Gefängnis. Das alles wird ausgesprochen lakonisch und in einfachstem Englisch erzählt.
Heute Abend spielt Ronnie das Halbfinale der Wesh Open. Eurosport überträgt live. Was mich in einen Konflikt bringt, denn zur selben Zeit kommt auf Eurosport 2 das Halbfinale aus Delray Beach, mit einem neuen, jungen Spieler, dem erst 18 Jahre alten Japaner Kei Nishikori.
Es gibt auch ein Snookerblog.