BMW Open - Gulbis unterliegt Kohlschreiber 5-7, 3-6

Pilic war wieder da.

Ernests hat nicht schlecht gespielt.

Mohamed Lahyani schien nicht unfroh, sich ein wenig Bewegung verschaffen zu können.

Kohlschreiber, fair wie er ist, gab zu, dass er mit dem Breakball im ersten Satz gegen sich Glück hatte.

Es war mehr drin für Gulbis. Für Kohlschreiber wurde es letztendlich ein Arbeitssieg.
Die beiden mussten ganz schön lange warten, bis sie endlich dran waren.
Die Matches davor gingen in Überzeit. Zäh, zäher am zähesten. Nicht, dass ich so verrückt gewesen wäre, mir das anzusehen.
Lopez und Stakhovsky mussten sogar auf den Nebenplatz verlegt werden, sonst hätte man das Programm nicht durchgebracht.
Gulbis blieb im ersten Satz dran, obwohl er immer wieder mal einen Breakball abwehren musste.
Kohlschreiber wurde langsam mürbe von Gulbis Stehvermögen und wehrte nur mit einem glücklichen Netzroller seinerseits einen Breakball ab. Ernests hätte danach zum Satzgewinn servieren können.
Auch im zweiten Satz war es lange eng. Gulbis hätte Chancen manchmal souveräner angehen sollen. Er ist oft zu lässig und ziemlich sicher fehlt ihm die Matchpraxis.
Anders als Kohlschreiber versteht er sich nicht so gut auf defensives Spiel. Vielleicht eines seiner Hauptdefizite. Was weiter nicht schlimm wäre, wenn er sein natürliches agressives Spiel ausreichend durchziehen könnte.
Fatal war aber, dass Gulbis beide Sätze mit seinen einzigen zwei Doppelfehlern hergab. Sonst war sein Service zuverlässig.
Sein Spiel auf Sand ist seit dem Challenger in Rom sehr viel besser geworden. Leider reichte sein Ranking nicht für die kommenden Masters-Series-Turniere in Madrid und Rom. Letztes Jahr wäre er im Hauptfeld gewesen, musste aber beide Turniere wegen Krankheit absagen.
Wer weiss, für was es gut ist, dass ihm der blaue Sand in Madrid erspart bleibt. Man kann sich das Chaos dort fast ausmalen.
Ernests wird nächste Woche wieder ein Challenger in Rom spielen und danach wahrscheinlich die Qualifikation für das Masters dort. Vor Roland Garros spielt er ein Vorbereitungsturnier in Paris. Danach beginnt in Queens die Rasensaison für ihn.
Es ist ihm zu wünschen, dass seine Anstrengungen endlich mal mit mehr Erfolg belohnt werden.
loreley - 3. Mai, 20:59
Kohlschreiber, der fünf Jahre älter ist als Gulbis, hat unterm Strich bis jetzt keine bessere Karriere. Nur, dass er sich seit Jahren in den Top-30 bis 60 halten kann.
Für Ernests wäre vieles einfacher, wenn er aus einem anderen Land käme. Wäre er Italiener bekäme er eine Wildcard für Rom und fertig.
Die Kommentatoren erwähnen in jedem Match von ihm, dass er es wegen seines Vaters finanziell nicht nötig hat, im Tennis erfolgreich zu sein.
Sie sollten aber auch mal erwähnen, dass die meisten Spieler in den Top-100 aus Ländern kommen, die eigene Turniere haben. Es lebt sich auf der Tour entspannter, wenn man weiss, dass es immer genug Turniere gibt, in die man bequem reinkommt, wenn man aus welchen Gründen auch immer, im Ranking abgerutscht ist.
Es gibt ein entsetzliches Geheuchel und Gemauschel im Tennis.
Dann fahr nur rechtzeitg nach Paris. Unter Umständen lassen sie ihn wieder am Sonntag spielen.
Klar ist es so, dass es Spieler, die aus gewissen Ländern kommen, einfacher haben als andere, da sie häufiger Wildcards bekommen, ein größerer Verband hinter ihnen steht etc., allerdings ist zum Teil die Frage, was Ursache und was einfach Ergebnis ist. Zum Beispiel gibt es die Serbia Open erst seit Djokovics Erfolg. Hingegen hat Deutschland kein Masters-Turnier mehr. Natürlich müsste leistungsmäßig Serbien mehr Turniere haben als Deutschland, aber zumindest die Richtung der Entwicklung zeigt an, wohin es geht. Wäre bspw. Gulbis ein Nr.-1-Spieler, gäbe es sicherlich auch irgendwann in Lettland ein größeres Turnier, weil sich das entsprechende Interesse einstellt.
Gulbis' Karierremaximum bis jetzt war Rang 21 auf der Weltrangliste, und das war eigentlich nicht viel Glück, sondern sein Können verrät hin und wieder, dass er genau dort (bzw. noch höher) hingehört. Man braucht ihn nicht mit Kohlschreiber zu vergleichen, der sich selbst eigentlich zu den besten 10 Spielern zählt, obwohl ich keinen guten Grund sehe, warum er zu denen gehören sollte.
Gulbis hat sein Schicksal in seiner eigenen Hand. Er ist halt nicht so der konstante Leistungstyp (ein wenig wie Safin) und das macht ihn auch sympathisch, insbesondere weil ich das selbst sehr gut nachvollziehen kann. Ich schiebe das nicht so sehr auf seine Herkunft aus einer reichen Familie als vielmehr eine persönliche, individuelle Sache -- auch dass ihm offensichtlich das Selbstvertrauen fehlt, aber andauernd auf die angeblich widrigen Umstände hinzuweisen, bringt nichts ein:
Gilles Müller (ein anderer Spieler, den ich mag), der aus Luxemburg kommt, steht derzeit 20 Plätze vor Gulbis.